Herzenshund Leyen

Leyen, 01.03.2012 – Juni 2018

Es war sprichwörtlich Liebe auf den ersten Blick, als ich das Foto von Leyen im Internet sah. Auf eine magische und schmerzliche Weise hat sie mich an unseren verstorbenen Jack-Russell Terrier Rico erinnert, den wir nach einer langen Leidenszeit an den Krebs (Mastzelltumor) verloren hatten.

Auf dem Foto links Rico, rechts Leyen

Ich habe sofort den Spanischen Tierschutzverein kontaktiert. Vom gleichen Verein hatten wir auch unseren Galgo Anibal adoptiert. Aber es kam eine schlimme Nachricht. Leyen, damals ein knappes Jahr alt, war schwer krank. Man wusste nicht, ob sie es schaffen wird, sagte man uns. Und an Adoption war natürlich erst mal nicht zu denken. Ich ließ nicht locker, bat den Verein, ALLES zu geben.
Nach ein paar Wochen kam dann die Rückmeldung: Leyen kann reisen. Ich war glücklich und habe mich sehr auf ihre Ankunft gefreut. Aber was da aus dem Transporter kam, war ein Bild des Jammers. Leyen wollte gar nicht aussteigen, sie war extrem ängstlich. Und sie sah ihrem Foto gar nicht mehr ähnlich. Es lag wohl an vielen Medikamenten, dass sie total aufgeschwemmt aussah.
Zuhause angekommen, hat sie panisch unsere anderen Hunde angekeift. Wir trauten uns erst mal gar nicht, sie abzuleinen. Aber dann dachte ich: Jetzt ist Schluss! Und siehe da, ohne Leine geschah… gar nichts! Sie war sofort lieb mit den anderen Hunden. Besonders mit unserem Galgo Anibal verband sie bald eine tiefe Freundschaft. Leyen & Anibal – von der Optik her hätten sie gar nicht unterschiedlicher sein können. Es war ein Dream-Team… wie Bonny & Clyde haben sie zusammengehalten wie Pech und Schwefel und ständig Streiche ausgeheckt.

Anibal und auch die anderen 3 Hunde haben Leyen sehr dabei geholfen, sich in ihrem neuen Leben zurechtzufinden. Trotzdem, sie blieb ein Angsthund. Alles Neue hat sie in Panik versetzt, und diese Ängste hat sie auch nie ganz verloren. Damals wohnten wir noch in Lich. Das Rudel war noch überschaubar: Die 2 Galgos Anibal und Pochollo, die 2 Jack Russell Wendy und Robin – plus Leyen.

Und dann sind wir nach Ostfriesland ausgewandert. Schon wieder krasser Wechsel für Leyen. Aber das hat sie gut weggesteckt. Hier im Norden hat sie sich wohl gefühlt… und es kamen mit der Zeit neue Hunde dazu. Leyen hat sich mit allen Hunden immer bestens verstanden. Sie war ein taffes Mädchen, einerseits zart und sensibel – aber andererseits mit Chef-Allüren. Sie machte gerne mal klar, wo es lang geht.

Wir hatten glückliche Jahre. Aber dann näherte sich der schwärzeste Tag in meinem bisherigen Leben. Mein Gefühl sagte mir: Mit Leyen stimmt etwas nicht. Auf mich wirkte sie irgendwie „anders“ oder krank. Unsere damalige Tierärztin beruhigte uns: Alles in Ordnung, die Blutwerte sind top. Aber sie hatte sich geirrt. Und dann brach Leyen plötzlich von einer Minute auf die andere in unserem Garten zusammen. Da unsere Tierärztin im Urlaub war, gab es nur einen Weg: Sofort in die Tierklinik! Dort stellte man fest, dass Leyen´s Gehirn immens angeschwollen war, wahrscheinlich aufgrund einer Gehirnentzündung. Die genaue Ursache hat man nie wirklich herausgefunden, trotz Kontaktaufnahme und Erfahrungsaustausch mit der Uniklinik in Gießen. Es gelang trotz aller Bemühungen nicht, die Schwellung in den Griff zu bekommen.
Leyen ist nach ein paar Tagen in der Tierklinik verstorben. Als wir den Anruf bekamen, brach eine Welt für uns zusammen. Das Schlimmste für mich: Ich konnte am Ende ihres Lebens nicht bei ihr sein. Die Tierärztin der Klinik versuchte mich zu trösten… Leyen hätte davon sowieso nichts mehr mitbekommen. Sie war schon längst nicht mehr bei Bewusstsein. Aber nichts kann trösten, wenn ein Herzenshund im Alter von nur 6 Jahren stirbt. Wie gesagt, ein rabenschwarzer Tag. Und der Schmerz sitzt immer noch tief. Wir werden dich niemals vergessen, kleine Prinzessin.